Theoretischer Versuch einer Erörterung der Probleme mit Ventildoppelgriffen 1+2, 2+3, u.1+2+3 an Blechblasinstrumenten

 

Im Normalfall sind Blechblasinstrumente mit drei Ventilen ausgestattet:

Das erste Ventil erniedrigt den Naturton um zwei Halbtöne

Das zweite Ventil erniedrigt den Naturton um einen Halbton

Das dritte Ventil erniedrigt den Naturton um drei Halbtöne

 

Wenn ein viertes Ventil vorhanden ist, wird derNaturton um fünf Halbtöne erniedrigt.

  In % ausgedrückt ergibt sich hierbei die näherungsweise Angabe auf die

  Instrumenten-Grundlänge:

Erstes Ventil 12,5 %

Zweites Ventil 6 %

Drittes Ventil 20 %

Das Vierte Ventil verlängert um 33 %

 

Ein Stopfventil am Waldhorn verlängert um 10 %  und kompensiert damit die

Tonerhöhung, die das ( Zu- ) Stopfen des Schalltrichters mit der Hand verursacht.

 

Beispielrechnung

Wenn man jetzt von einem Instrument ausgehen würde, das eine offene Rohrlänge von

100 cm hat, würde die Zuglänge des 2 Ventils 6 cm betragen (entspricht 6 % siehe 2. Ventil), somit entsteht eine Rohrlänge von 106 cm.

Um den Ton um einen weiteren Halbton zu erniedrigen, muss wieder um 6 % verlängert werden. Jetzt muss aber von einer Rohrlänge von 106 cm ausgegangen werden d.h.

106 cm = 100 % + 6,36 cm = 6 %  ergibt eine Rohrlänge von 112,36.

Somit entsteht eine Ventilzuglänge von 12,36 cm (entspricht ca. den 12,5 % des 1. Ventils) .

 

Bei der nächsten Erniedrigung um einen Halbton wird wieder um 6 % verlängert, ausgegangen wird aber jetzt von einer Rohrlänge von 112,36 cm somit ergibt sich

112,36 cm = 100 % + 6,74 cm = 6 % ergibt eine Rohrlänge von 119,1 cm

Somit entsteht die Ventilzuglänge von 19,1 cm (entspricht näherungsweise den 20 % des

3. Ventils).

 

Und jetzt fangen die Probleme an

 

Um wieder einen Halbton zu erniedrigen wird wieder um 6% verlängert. D.h. ausgehend von einer Rohrlänge mit 119,1 cm würde eine Rohrlänge von (119,1 = 100 %  7,15 cm = 6 %)

119,1 + 7,15 = 126,25 cm entstehen, das würde einer Verlängerung von 26,25 % bedeuten.

Somit müssen jetzt die Ventilgriffe kombiniert werden. Passend wäre hier die Kombination

2. + 3. Ventil, das wäre eine Verlängerung von 26 % die annähernd stimmen würde, aber in

Wirklichkeit etwas zu kurz ist (der Ton wäre minimal zu hoch). Das sollte im Normalfall mit dem Ansatz auszugleichen sein.

 

Bei der nächsten Erniedrigung ergibt sich Rohrlänge 126,25 cm = 100 %  + 7,6 cm = 6 %

von 133,85 cm. Das entspricht einer Verlängerung von 33,85 %.

Es käme hier die Kombination 1.+ 3. Ventil in Frage, die eine Verlängerung von 32,5 % ergeben würde, aber leider um 1,35 % zu kurz ist (in diesem Fall wäre der Ton zu hoch).

Eine Möglichkeit wäre, die Differenz mit einem Trigger oder einem verstellbaren Stimmzug auszugleichen.

Noch besser wäre es in diesem Fall, das 4.Ventil zu nutzen (wenn vorhanden), das eine Verlängerung von 33 % ermöglicht, aber leider auch etwas zu kurz ist (Abweichung 0,85 %). Das kann man aber theoretisch mit dem Ansatz ausgleichen.

 

Noch interessanter wird es jetzt. Die nächste Erniedrigung würde ergeben, Rohrlänge

133,85 cm = 100 % + 8 cm = 6 % = 141,85 cm. Das ergäbe eine Verlängerung von 41,85 %.

Die mögliche Ventilkombination von Instrumenten mit 3 Ventilen wäre hier 1.+2.+3. Ventil;

die eine Verlängerung von 38,5 % ermöglicht, aber um 3,35 % zu kurz ist (der in diesem Fall entstehende Ton wäre extrem zu hoch). Eine mögliche Abhilfe wäre hierbei ein Trigger oder ein Stimmzug, den man mit der linken Hand verstellen kann.

Die Griffkombination bei Instrumenten mit 4 Ventilen wäre 2.+ 4. Ventil, die Verlängerung hierbei wäre 39 %, was dem gewünschten Ergebnis näher käme, aber auch noch etwas zu kurz ist. Eine Abhilfe wäre ein Trigger oder ein verstellbarer Ventilzug.

 

Die nächste Erniedrigung um einen Halbton wäre dann nur noch für Instrumente mit 4 Ventilen interessant, da sie eine Verlängerung um ca. 50 % ausmacht, was der Ventilkombination 1.+2.+4. oder 3.+4. Ventil entspricht. Die dann eine Erweiterung des Tonumfanges mit sich bringt.

 

Bei der Kombination 1.+2. Ventil (Verlängerung um 18,5 %) besteht auch die Möglichkeit das 3. Ventil zu nutzen (Verlängerung um 20 %), dies trifft aber angeblich nur auf  Töne zu die kurz über dem 2. Naturton liegen.

 

Anmerkung

 

Wenn man jetzt bedenkt, das Blechblasinstrumente je nach Stimmlage verschiedene offene Rohrlängen haben, kann man an dieser Beispielrechnung erkennen, dass je größer das Instrument ist, auch die Probleme mit dem „Stimmen“ größer sind. D.h. der Aufwand erhöht sich, das Instrument zu kompensieren. Lösungsmöglichkeiten wären dann zusätzliche Ventile, wie es bei Tuben üblich ist, oder Ventile zur Änderung der Grundstimmung (Beispiel Waldhorn).

 

                           29.03.09 M. Kleinfelder

 

Letzte Änderung: 30.03.09 JG