Anleitung zur Bearbeitung von

Klarinetten- und Saxophonblättern

 

Es gibt zwei verschiedene Arten von Blättchen, gute und weniger gute. In den seltensten Fällen erhält man in der Musikgeschäften ein "perfektes" Blättchen, aus diesem Grund empfiehlt es sich, sein Blättchen nach eigenen Vorstellungen zu verbessern

Um zumindest einen geeigneten Rohling zu bekommen sollte man bereits beim Kauf eines Blättchens darauf achten, dass die Holfasern bis an die Blattspitze reichen, denn nur so erhält das Blatt seine beste Flexibilität Um dies zu überprüfen halten sie das Blättchen einfach vor eine Lichtquelle, sieht man die Fasern klar und deutlich bis zum Ende, ist das Blättchen in Ordnung.

Ich möchte hier nicht sagen, welche Methode die richtige ist. Mit Sicherheit gibt es genauso viele Ansichten über das Nachbearbeiten der Blätter, wie es Musiker gibt. Jeder hat eine andere Meinung. Man findet hier einfach nur ein paar verschiedene Methoden, die man auch kombinieren kann um sein Ziel zu erreichen.

 Eine genaue Beschreibung der Teile des Blättchens, sowie eine Kurzübersicht über die Probleme und Ausbesserungen findet Ihr hier.

Die verschiedenen Werkzeuge

Der Schleifstein

 Er wird benötigt, um die Unterseite des Blattes zu bearbeiten, falls es uneben oder rau ist. Man muss beim Kauf darauf achten, dass der Schleifstein eine gerade Fläche besitzt, denn sonst würde auf dem Blättchen eine Unebenheit entstehen, die sich negativ auf den Ton auswirkt. Aber nicht jeder Schleifstein ist geeignet, es muss unbedingt ein feinkörniger Stein sein, sonst wird das Holz des Blättchen „zerissen“.

 Hat man keinen Schleifstein zur Hand, kann man auch sehr feines Schleifpapier verwenden.

 Das Abschleifen erfolgt am gleichmäßigsten, wenn man mit Zeige-, Mittel und Ringfinger das Blättchen auf den Schleifstein, bzw. das –papier drückt. Zu beachten ist, dass man das Blättchen immer nur nach hinten abzieht, ansonsten könnte die feine Blattspitze aufreißen.

 

Eine Glasplatte 

Das Glätten der Blätter erfolgt auf einer glatten, ebenen Fläche, zum kontrollieren der Blätter benötigen wir eine Glasplatte, auf der das gesamte Blättchen aufliegen kann.  Nach dem Abschleifen des Blättchens drücken wir die Rückseite auf die Glasplatte, nun können wir sehen, ob unsere Oberfläche wirklich eben ist. Ist dies nicht der Fall müssen wir sie erneut Nachbearbeiten.

 

Der Blattabschneider

 Blattabschneider eignen sich, um „leichte Blätter schwerer zu machen“. Wie der Name schon sagt wird hier ein Teil des Blättchens abgeschnitten. Man sollte beim Kauf am besten ein altes Blättchen mitnehmen um zu testen, ob der Blattabschneider die Spitze nicht einseitig, oder schief abschneidet.

Die Feinarbeit

Das erste Anblasen der Blätter

Man sollte das Blatt erst genügend anfeuchten, bevor man auf Fehlersuche geht. Am  besten eignet es sich, wenn sich die Spitze nicht mehr wellt. 

Um die Idealposition des Blättchens auszutesten halten wir es mit dem Daumen gut fest und probieren, wie leicht oder schwer die Töne ansprechen. Spricht es etwas zu leicht an, kann man es ein wenig an die Mundstückspitze schieben. Haben wir unsere Idealposition gefunden spannen wir das Blättchen endgültig am Mundstück fest. Nun können wir unser Blättchen testen. Da nur wenige Blättchen den Anforderungen gleich entsprechen empfiehlt es sich, sie auf verschiedene Punkte zu überprüfen.

  • Klingt das Blatt dick oder dünn?
  • Ist es zu leicht oder zu schwer?
  • Kann man ohne viel Druck ein pianissimo spielen?
  • Rauschen die Töne?
  • Kann man wirklich ein gutes fortissimo spielen?
  • Kann ich auf dem Blatt ein gutes Staccato spielen?

 

Das laut und leise spielen probiert man am besten am tiefen e, oder f aus. Bläst man den Ton extrem leise, so muss er trotz allem noch tragen.

 Man kann sich vorstellen man stehe an einem Hafen und hört aus der Ferne eine Schiffssirene. Dieser Ton ist zwar leise, aber sehr klar, genauso muss ein leiser Klarinetten Ton klingen. 

Jetzt wissen wir zwar wie der Ton klingt, was wir jedoch nicht wissen ist, ob die Töne auch leicht an schweren Stellen ansprechen. Zum testen des Staccatos eignen sich hervorragend schnelle Stellen. Hat meine keine Noten zur Hand kann man natürlich auch selber irgendwelche Töne schnell anstoßen.

Zu leichte Blätter

 Ist ein Blatt zu leicht ist es nicht dick genug, bzw. flexibel. Die Fasern des Blattes sind nicht elastisch genug und biegen zu leicht ab. Dadurch ist es unmöglich ein fortissimo zu blasen, weil das Blatt zu oft schwingt und sich überschlägt.

 

Das Blatt ist etwas zu leicht 

Um das Blättchen eine Kleinigkeit schwerer zu machen reicht es, wenn man es etwas weiter in  Richtung Mundstücksspitze schiebt und dort festbindet. Hierbei sollte man jedoch beachten, dass durch diese Methode Stimmungsprobleme auftreten können.

 Reicht das nach vorne Schieben nicht aus gibt es noch die Möglichkeit die Öffnung zwischen Mundstück und Blättchen zu vergrößern. Dazu legt man das Blatt auf einen Schleifstein, oder –papier und schleift den hinteren Boden des Blättchens ab. Am besten geht dies, wenn der Druckpunkt sehr nah an der Blattsohle ist. Der Grund, warum wir dies machen ist:

 Wird vom hinteren Material entfernt, so steht das Blatt vorne an der Mundstücksspitze weiter weg, somit ist es schwerer zu blasen.

  

Das Blatt ist viel zu leicht

 Wenn beim blasen ein scharrender, krachender Ton zu hören ist und man den Unterkiefer sehr locker halten muss um einen Ton zu spielen ist das Blättchen viel zu leicht. Hier bleibt nur die Möglichkeit mit einem Blattabschneider nachzuarbeiten.

 Wird das Blatt abgeschnitten muss darauf geachtet werden, das immer nur ein ganz keines Stück weggeknipst wird (ca. 0,5 mm). Schneidet man die Spitze öfters nach, sollte jedes Mal etwas weniger weggeschnitten werden, da das Blättchen plötzlich um Stärken schwerer werden kann.

 

 Zu schwere Blätter

 Braucht man zum Spielen sehr viel Kraft und Anstrengung liegt es daran, dass das Blättchen zu schwer ist. Hier ist es hilfreich, wenn man zuerst die Seiten kontrolliert. Hierzu blast man das Blatt an und dreht es ganz auf die rechte, bzw. linke Seite. Dadurch erreicht man, dass eine Seite frei schwingt, während die andere komplett völlig zugedrückt ist. Vergleicht man beide Seiten miteinander kann man feststellen, wie man das Blatt ändern muss, z. B. rauschen, schweres Spielen, usw.

 Ist das Blättchen nur „etwas“ zu schwer, sollte man es liegen lassen und jeden Tag etwas anblasen, alle Blätter werden mit der Zeit leichter, verlieren aber auch an Klangqualität. 

Geht das Blättchen leicht genug, klingt aber bei den unteren Tönen schwer und rauschig kann man dies verbessern, wenn man von den Schultern etwas Material wegnimmt.

 

 Das Blatt klemmt

 Entsteht beim Spieler im Hals Druck, den er durch Gegendruck ausgleichen muss, klemmt das Blatt. Die Folge davon ist, dass nicht mehr richtig Stützen, bzw. frei blasen kann. Dadurch wird das Staccatospiel gebremst. Hier hilft, wenn man den Blattrücken abschleift, bis das Blatt frei schwingt. Hilft dies nicht ist vielleicht die Blattspitze zu dick und muss ebenfalls abgeschliffen werden.

 Man sollte das Blatt unbedingt nach dem Abschleifen anspielen, denn es besteht die Gefahr, dass durch das Abschleifen das Blättchen zu dünn wird, dies hat zur Folge, dass es bei großen Bindungen quietscht.

 

Angleichen der tiefen Töne

 Ist das Blatt im unteren Bereich (e- d’) zu schwer, kann man das Blättchen etwas zurückbinden. Schleift man die markierten Bereiche etwas ab, so wird der tiefe Bereich ebenfalls verbessert.

 

Angeleichen der mittleren Töne

 Es kann vorkommen, dass das Blatt gut ausbalanciert ist, doch die mittleren Töne schwer ansprechen. Besonders die Töne h, c, und cis sind schwer zu blasen. In diesen Fällen nimmt man n den markierten Bereichen etwas Material weg. Wird zuviel Material entfernt kann es sein, dass man das gesamte Blättchen nacharbeiten muss.

 

Das Blatt quietscht

 Der häufigste Grund dafür ist eine zu dünne Blattspitze. Sie muss mit einem Blattabschneider gekürzt, oder die hintere Bodenfläche abgeschliffen werden. Ein weiterer Grund für das quietschen des Blattes kann daran liegen, das an der Spitze eine Faser gebrochen ist. Diese Bruchstelle kann man abknipsen, allerdings muss danach dass ganze Blatt neu bearbeitet werden.

 

 

Übersicht der Bearbeitungsarten

 
Das Blatt ist zu hart im Blasen Mit dem Schachtelhalm die Bereiche 5 gleichmäßig verdünnen, ständig nachprüfen
     
Das Blatt ist zu weich im Blasen Mit dem Blattabschneider an der Spitze einen feinen Rand abschneiden, danach prüfen. Wenn es noch zu hart ist, wiederholen.
     
Das Blatt klingt belegt und matt beim piano spielen Mit dem Schachtelhalm die Bereiche 5 und 6 ins Gleichgewicht bringen. Bei zu hartem Blasen, im gleichen Bereich noch etwas wegnehmen.
     
Das Blatt pfeift Die Bereiche 5 mit dem Schachtelhalm ins Gleichgewicht bringen.
Die hohen Töne sprechen beim piano spielen schwer an. Mit dem Schachtelhalm die Bereiche 1 und 2 leicht stufenweise abstreifen
     
Die hohen Töne klingen dünn Mit dem Schachtelhalm im Bereich 4 etwas abstreifen
     
Die mittleren Töne klingen belegt Mit dem Schachtelhalm den Bereich 3 etwas abstreifen
     
Die tiefen Töne sprechen schwer an Mit dem Schachtelhalm den Bereich 1 etwas verdünnen
     
Das Blatt klingt nach dem Ausbalancieren gut, ist aber zu hart Mit dem Schachtelhalm die Bereiche 1,2,3 und 4 gleichmäßig verdünnen
     
Die Rückseite des Blattes ist rau (zur Mundstücksbahn gekehrte Seite) Feines Sandpapier auf eine flache, glatte Unterlage legen und das Blatt mit leichtem Druck vor und zurück reiben.

 

Letzte Änderung: 05.06.06 JG